Impfen Ja / Nein ?
Umdenken bei Impfungen für Haustiere
Der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA, kurz für: The World Small Animal Veterinary Association) hat sich bereits 2010 von den jährlichen Nachimpfungen gegen die Erkrankungen Staupe, Hepatitis und Parvovirose bei erwachsenen Hunden distanziert. Nun erschien im Juli 2013 eine neue Richtlinie, die auch von einem Impfintervall von 3 Jahren gegen diese Krankheiten abrät. Denn 98% der Hunde, die im Welpenalter ihre Impfung zwischen der 14. bis 16. Woche erhalten haben, besitzen einen Immunschutz gegen Parvovirose, Staupe und Hepatitis, der über viele Jahre anhält, wahrscheinlich lebenslang.
Die neue Richtlinie sieht vor, Hundewelpen die letzte Impfung gegen Parvovirose, Hepatitis und Staupe erst im Alter von 14 bis 16 Wochen zu verabreichen. Der Grund dafür liegt bei den maternalen Antikörpern, die der Welpe durch die Muttermilch von der Hündin aufnimmt und die einen Impferfolg verhindern können.
Es wird darauf hingewiesen, dass eine Auffrischimpfung mit 12 Monaten nur dann erfolgen sollte, wenn man davon ausgehen kann, dass die Impfungen im Welpenalter nicht erfolgreich waren. Denn dies wird ebenso betont: Eine erneute Impfung bei vorliegender Immunität verbessert den Impfschutz nicht.
Nähere Informationen gibt es hier: http://www.wsava.org/guidelines/vaccination-guidelines
Welpen-Impfungen
Die meisten Hundebesitzer denken, dass all die vielen Welpen-Mehrfachimpfungen einen immer höheren Impfschutz aufbauen.
Das stimmt aber leider so nicht!
Welpen werden nur deshalb mehrmals hintereinander geimpft, weil sie – so lange sie noch den sogenannten Nestschutz haben, also mit den Antikörpern ihrer Mutter ausgestattet sind – auf Impfungen nicht so reagieren, wie man das gerne hätte (mit der Neubildung von Antikörpern und der Ausbildung eines Immungedächtnisses).
Da nicht sicher gesagt werden kann, ob sich der Nestschutz nun mit 8, 12 oder 16 Wochen verflüchtigt, impft man einfach mehrmals und hofft, dass wenigstens eine der vielen Impfungen greifen wird.
Grundimmunisierung beim Welpen: Staupe und Parvovirose
Um einem Welpen diese vielen Mehrfachimpfungen zu ersparen, können die maternalen (mütterlichen) Antikörper per Blutuntersuchung bestimmt werden. Da die Halbwertszeit derselben bekannt ist (im jeweiligen Labor nachfragen), kann ziehmlich genau errechnet werden, wann der Nestschutz verschwunden und wann somit der ideale Impfzeitpunkt sein wird.
Zwei Wochen nach erfolgter Impfung kann eine Titer-Untersuchung gemacht werden, welche zeigen wird, ob die Impfung erfolgreich verlaufen ist.
Mit dieser Vorgehensweise kann ein Welpe mit nur einer Impfung grundimmunisiert werden. Für diese erste (abgesehen von Tollwutimpfungen) auch einzige Impfung sollten impfkritische Hundebesitzer auf ein Kombi-Produkt bestehen, das aus zwei, allerhöchstens drei Impfstoffen, besteht.
Wenn der Tierarzt die Kombination Staupe und Parvovirose partout nicht besorgen will, wählt man die Dreierkombination Staupe, Parvovirose und Hepatitis, wobei Hepatitis bei Hunden kaum vorkommt.
Grundimmunisierung beim Welpen: Tollwut
Bei der Tollwutimpfung wurde häufig beobachtet, dass Hunde bis zu einem Alter von ca. vier Monaten nur unzureichenden Schutz aufbauen, weshalb eine Impfung bei Welpen unter vier Monaten meist zu einer weiteren Tollwutimpfung führt.
Deshalb lassen manche Hundebesitzer ihre Hunde erst nach 12 Monaten mit einem Einfachimpfstoff gegen Tollwut impfen.
Impf-Folgen
Sehr häufig auftretende Nebenwirkungen von Impfungen bei Hunden:
Benommenheit, Unruhe, Anschwellen des Kopfes, Erbrechen, Durchfall, Allergische Reaktionen der Haut, Juckreiz, Anämien, Atemnot, Schockzustände (bis hin zu Herzstillstand und plötzlichem Tod), seltsame Verhaltensweisen (sich verkriechen, hin und her laufen), Verfärbung des Haarkleides, Haarausfall an der Einstichstelle, Nekrosen, immunbedingte Entzündungen der Blutgefäßwände (Vaskulitis), Koordinationsstörungen, Polyarthritis, immunbedingte Erkrankungen der Schilddrüse und verstärkte Anfälligkeit für bakterielle Infektionen wie Ohr-, Harnwegs- und Darmentzündungen.
Besonders die Anfälligkeit für Infektionen sowie die immer häufiger diagnostizierten Autoimmunerkrankungen werden mit einer durch die Impfung hervorgerufenen Immunsuppression in Verbindung gebracht.
Diese Immunsuppression äußert sich in einer Veränderung des Immunsystems und zwar nicht nur in der erwünschten Antikörperbildung, sondern in einer allgemeinen Veränderung der natürlichen Funktion des Abwehrsystems. Diese wird weder von den Tierärzten noch von den Pharmafirmen als bedenklich angesehen. Welche Auswirkungen eine solche Veränderung langfristig haben wird, ist noch nicht abzuschätzen.
Impf-Schäden nach Staupeimpfung
Eine Staupeimpfung kann zwei ganz spezifische Folgen bzw. Nebenwirkungen mit sich bringen. Erstens die Staupeimpfvirusenzephalitis, die ein bis zwei Wochen nach der Impfung durch einen Impfdurchbruch hervorgerufen werden kann und oft tödlich endet.
Zweitens die sog. Immunthrombopenie, die zu inneren Blutungen führt. Oft wird diese durch Blutungen aus der Nase bemerkt und kann unter Umständen medikamemtös behandelt werden. Eine Grundimmunisierung gegen Staupe ist trotzdem akzeptabel. Nicht akzeptiert werden sollte jedoch die jährliche Auffrischungsimpfung.
Einzel-Impfstoffe schaden weniger als Kombi-Produkte
Einzelimpfstoffe werden heutzutage so gut wie überhaupt nicht mehr verabreicht. Hunde erhalten routinemäßig sogenannte Kombi-Produkte. Im Impfpass klebt dann meist ein Etikett (oder mehrere) mit beispielsweise dieser Buchstabenabfolge: SHPPi/LT. Hier handelt es sich um eine Sechsfachimpfung gegen Staupe (S), Hepatitis (H), Parvovirose (P), Parainfluenzavirus (Pi = Zwingerhusten), Leptospirose (L) und Tollwut (T).
Außerdem stehen dem impfbegeisterten Hundebesitzer noch weitere Impfungen zur Verfügung, die ihm von seinem Tierarzt oft eindringlich nahe gelegt werden, wie zum Beispiel gegen Borreliose oder Tetanus. Die Impfung gegen Borreliose ist höchst umstritten und eine Erkrankung mit Tetanus kommt bei Carnivoren (Fleischfresser) so gut wie nie vor.
Generell gilt, dass eine Impfung umso belastender für den Organismus ist, je mehr Impfstoffe sie enthält. Deshalb sollte man – wann immer nötig – möglichst auf Einzelimpfungen bestehen.
Anmerkung
Bitte vergessen Sie nicht, dass der Gesundheitszustand und die Abwehrkraft durch ein gut funktionierendes Immunsystem eines Hundes nicht allein von den
verabreichten Impfungen abhängt (wenn überhaupt), sondern zu einem sehr viel größeren Teil von seiner Lebens- und Ernährungsweise.
Investieren Sie lieber in sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen, wie Ultraschall der Bauchorgane und des Herzens, sowie einer jährlichen grossen Blutuntersuchung, als in unnötige Wiederholungsimpfungen. Diese Vorsorgeuntersuchungen sind für Hunde garantiert nebenwirkungsfrei!
In der Schweiz gibt es keine Impfpflicht: Niemand braucht sein Tier oder sich selbst gegen irgendetwas impfen zu lassen, wenn er und sein Tier die Schweiz nicht verlässt.
Kurz-Informationen zu den einzelnen Impfungen
Staupe (S)
Die Staupe-Impfung ist ein Lebendimpfstoff, also eine aktive Impfung mit “lebendigen” Erregern. Studien zeigten, dass der Schutz nach Grundimmunisierung und eventuell einer Auffrischung nach einem Jahr für 7-15 Jahre, wahrscheinlich lebenslang, hält!
Parvovirose (P)
Auch die Parvovirose-Impfung ist ein Lebendimpfstoff. Die Schutzdauer ist ähnlich wie bei Staupe!
Hepatitis (H)
Die Hepatitis-Impfung ist auch ein Lebendimpfstoff. Schutzdauer wie bei Staupe und Parvo. Die kontagiöse Hepatitis des Hundes tritt in Deutschland und vielen anderen Ländern sehr selten auf. Hundehalter, die ihrem Hund nur ein Minimum an Impfstoffen geben wollen, können darauf verzichten. Es gibt Produkte, die nur Parvo- und Staupe-Impfstoffe enthalten, z.B. von Intervet die Nobivac Puppy SP.
Tollwut (T) Ausnahmefall
Tollwutimpfstoffe schützen bewiesenermaßen sehr viel länger als ein Jahr, denn alle Tollwutimpfstoffe müssen einen mindestens 3-jährige Schutzdauer nachweisen können!
Hinweis
Ein auffällig gewordener und nicht gültig gegen Tollwut geimpfter Hund kann auf Verlangen des Amtsveterinärs sofort eingeschläfert werden.
Zwingerhustenerreger Parainfluenza-Virus (Pi)
Die Schutzdauer beträgt drei Jahre, Impfstoffe versagen aber relativ häufig. Die Notwendigkeit dieser Impfung ist umstritten, da die Erkrankung meist mild ist und der Impfschutz gerade bei höherem Infektionsdruck (viele Hunde auf engem Raum) nicht oder kaum gegeben ist.
Zwingerhustenerreger Bordetella bronchiseptica
Die Schutzdauer beträgt maximal ein Jahr, die Impfstoffe versagen aber sehr häufig. Auch hier ist die Notwendigkeit aus den gleichen Gründen wie bei Pi umstritten.
Der Zwingerhusten-Impfstoff ist in vielen Kombinationsvakzinen enthalten und schützt nur vor einem Erreger des Zwingerhustens, dem caninen Para influenza-Virus. Die sogenannte Hundegrippe kann aber durch verschiedene andere Erreger ausgelöst werden. Die Wirksamkeit dieses Impfstoffs steht sehr in Frage, geimpfte Hunde können genauso erkranken wie nicht geimpfte.
Leptospirose (L)
Leptospirose-Impfstoffe sind bakterielle Vollkeim-Impfstoffe. Solche Vakzine genießen auch in der Humanmedizin keinen guten Ruf. Vollkeim-Impfstoffe, die inaktivierte Erreger enthalten, sind oft schlecht verträglich, da trotz guter Reinigung noch Bestandteile von Bakterienzellwänden enthalten sein können, konnte man beispielsweise in der Pharmazeutischen Zeitung, lesen. Ein bekanntes Beispiel dafür sind die früher üblichen Keuchhusten-Impfstoffe.
Der Schutz dieser nebenwirkungsträchtigsten Impfung hält lediglich für ca. 6-8 Monate vor und schützt nur gegen 4 (!)
L. interrogansSerogruppeCanicolaSerovar Portland-vere(StammCa-12-000)
L. interrogans Serogruppe Icterohaemorrhagiae Serovar Copenhageni (Stamm Ic-02-001)
L. interrogans Serogruppe Australis Serovar Bratislava (Stamm As-05-073)
L. kirschneri Serogruppe Grippotyphosa Serovar Dadas (Stamm Gr-01-005)
der insgesamt 200 krankheitsauslösenden Leptospirenarten!
Leptospira canicola (= “Stuttgarter Hundeseuche”) ist laut dem bekannten veterinärmedizinischen Labor Laboklin mit einigen Ausnahmen seit Jahren nicht mehr aufgetreten.
Die Phamakovigilanz Studie 2015 zeigte einen sprunghaften Anstieg von Nebenwirkungen nach Inverkehrbringen der 4er-Komponenten Leptospirose Impfstoffe.
Impfreaktionen
Die Universität von Kansas berichtet, dass Leptospirose-Impfstoffe einer der Hauptgründe für adverse Impfreaktionen sind, und zwar in einem Ausmaß, dass die Risiken den Nutzen bei weitem übersteigen.
Die Leptospirose-Impfung gilt deshalb dort nicht mehr als wichtige Impfung und man rät sogar ausdrücklich davon ab, sie Welpen zu verabreichen.